Rechenschwäche - Hilfe durch Einzeltherapie? Seite
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Schwierigkeiten beim Erlernen einer Kulturtechnik ( Lesen, Schreiben
oder Rechnen) bedeuten ein großes Problem für das betroffene
Kind (für seine Leistungsentwicklung und für die Entwicklung
seiner Persönlichkeit). Sie belasten darüber hinaus häufig
auch das Verhältnis zwischen Eltern und Kind, und können
die Beziehung zur Lehrkraft und zu den Mitschülern ungünstig
beeinflussen. Um die negativen Auswirkungen gering zu halten, sollte
möglichst früh und möglichst wirkungsvoll geholfen
werden. Bei Rechenschwäche im Grundschulalter hat sich eine befristete
Einzeltherapie, die i. d. R. zusätzlich zum Unterricht stattfindet,
gut bewährt. Die in vielen Fällen vorzuziehende Möglichkeit,
eine solche Therapie eine Zeitlang parallel zum (und anstelle von)
Unterricht durchzuführen, besteht in Niedersachsen bisher leider
noch nicht.
1. Warum Einzeltherapie bei Rechenschwäche? (RT= Rechentherapie)
1.1 Verknüpfung von lernzielorientierter Hilfe
und persönlichkeitsbezogenen Maßnahmen
Während einer Rechentherapie wird - wie der
Name schon sagt - in zweifacher Hinsicht mit dem Kind gearbeitet:
einerseits am Symptom Rechenschwäche, andererseits wird aber
auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß dieses Symptom
durch ganz andere Probleme (z. B. im familiären Umfeld oder im
Persönlichkeitsbereich des Kindes) verursacht wurde. Um in letzterem
Fall Erfolge erzielen zu können, müssen zusätzlich
psychologische Methoden eingesetzt und an die spezifische Situation
adaptiert werden. Das Vorgehen erinnert dann an eine Therapie.
1.2 Beeinflussung der grundlegenden Einstellung dem Lernen gegenüber.
Während der ersten Grundschuljahre soll nicht nur Wissen vermittelt
werden. Ganz wesentlich ist der Aufbau einer positiven Haltung dem
Lernen gegenüber und die Entwicklung von Vertrauen in die eigene
Lernfähigkeit. Was in diesen beiden Bereichen aufgebaut wird,
begleitet den Schüler während seiner ganzen Schulzeit, ja
in unserer Zeit, wo lebenslanges Lernen nötig ist. sogar das
ganze Leben lang. Eine individuelle Rechentherapie versucht neben
inhaltlichen Zielen auch in dieser Hinsicht eine positive Änderung
beim Kind zu erreichen.
1.3 Hilfe in einer Krisensituation, die den ganzen Menschen betrifft:
Versuchen wir uns ein Kind vorzustellen, das schon längere Zeit
die Schule besucht und durch seine Rechenschwierigkeiten auffällig
geworden ist: Karsten ist heute wieder als letzter mit den Übungsaufgaben
fertiggeworden. Warum ist nur wieder so viel falsch gewesen? Wenn
die Lehrerin etwas fragt, versteht er zuerst gar nicht, was sie eigentlich
wissen will. Heute hat er eine Antwort gewußt. Aber als er sich
gerade melden wollte, ist schon ein anderer dran gekommen. Natürlich
der Christoph, der immer alles am schnellsten weiß und gestern
wieder "Rechenkönig" geworden ist... Dieser Schüler
leidet nicht mehr nur unter seiner Rechenschwäche, er hat bereits
ein negatives Selbstkonzept entwickelt: Gefühle der Ohnmacht
und der Hilflosigkeit sind an die Stelle von Selbstvertrauen, Wissensbegierde
und Bewältigungszuversicht getreten. Viele Kinder mit Lernschwierigkeiten
trauen sich mit der Zeit immer weniger zu, und zwar auch in anderen
Bereichen, wo sie noch keinen Mißerfolg erlebt haben. Während
der gesamten Übungszeit in der Schule haben sie v. a. eines gelernt:
daß sie selbst nicht in der Lage sind, ein Problem zu lösen
oder die richtige Entscheidung zu treffen, daß sie hilflos sind,
also der Hilfe anderer Menschen bedürfen.
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